IBM i genießt seit Jahrzehnten den Ruf einer äußerst zuverlässigen Plattform. Doch in der heutigen schnelllebigen, kundenorientierten Entwicklungslandschaft reicht Stabilität allein nicht mehr aus. Anwendungen müssen zudem schnell anpassbar, sicher und ausfallsicher sein – ohne Kompromisse bei der Qualität. Diese Erwartungshaltung stellt Entwicklungsteams vor neue Herausforderungen, insbesondere jene, die noch auf veraltete Methoden setzen.
Ein Bereich, in dem diese Spannung besonders deutlich spürbar ist, ist das Testen. Seit ich denken kann, beobachte ich, wie viele Kunden das Testen unterschätzen oder es auf die letzten Phasen der Auslieferung verschieben. Doch die Zeiten ändern sich, und das Testen rückt bei vielen unserer Kunden immer mehr in den Mittelpunkt. Mit der Modernisierung der IBM i-Teams ist das Testen kein nettes Extra mehr – es ist ein entscheidender Faktor für die Softwarestabilität und die Auslieferungsgeschwindigkeit.
Die zunehmende – wenn auch langsamer als erwartet – Verbreitung von Agile-, DevOps und CI/CD-Praktiken, selbst in traditionellen IBM i-Umgebungen, rückt das Testen immer stärker in den Fokus. Diese modernen Methoden zielen darauf ab, die Entwicklung zu beschleunigen, erfordern aber auch mehr Konsistenz und höhere Standards für die Codequalität.
Leider setzen viele IBM i-Unternehmen weiterhin auf manuelle Tests, anekdotische Qualitätssicherungsprozesse oder sogar auf die Überprüfung durch Endbenutzer. Diese Ansätze sind langsam, fehleranfällig und ungeeignet für kontinuierliche Änderungen. Die Folge? Fehlerhafte Releases, unerwartete Regressionen und verzögerte Wertschöpfung.
In der modernen Softwareentwicklung ist Unit-Testing eine Grundvoraussetzung. Auf IBM i – insbesondere in RPG- und CL-Umgebungen – ist Unit-Testing jedoch noch relativ neu. Die Gründe dafür sind nachvollziehbar: Historisch gesehen fehlten der Plattform Testframeworks, und viele RPG-Programme sind eng miteinander verknüpft und lassen sich nur schwer für Tests isolieren.
Doch das ändert sich. Es gibt mittlerweile schlanke Testwerkzeuge für RPG-Anwendungen. Noch wichtiger ist jedoch ein Mentalitätswandel: IBM i-Entwickler beginnen zu erkennen, dass testbarer Code besserer Code ist – einfacher zu warten, einfacher zu refaktorisieren und sicherer bereitzustellen.
Wenn es schwer zu testen ist, ist es wahrscheinlich auch schwer zu warten.
Unit-Tests bieten Sicherheit beim Refactoring, verhindern Regressionen und erleichtern die Einarbeitung neuer Entwickler. Bei der Modernisierung von IBM i-Anwendungen bieten Unit-Tests eine praktische Möglichkeit, das Vertrauen in bestehenden Code schrittweise zu stärken, ohne ihn komplett neu schreiben zu müssen.
Die branchenweite „Shift-Left“-Bewegung – die Tests (und die Sicherheit) früher in den Entwicklungszyklus integriert – gilt weithin als Best Practice. Doch sie ist nicht ohne Folgen. Ich habe fast ausnahmslos beobachtet, dass die Verantwortung für die Qualitätssicherung zunehmend auf den Schultern der Entwickler lastet, die nun zusätzlich zur Entwicklung neuer Funktionen auch Tests schreiben, ausführen und pflegen müssen.
Das Management übersieht diese Realität oft. Ohne Investitionen in Automatisierung führt diese Umstellung lediglich zu einer erhöhten Arbeitsbelastung der Entwickler und zu Engpässen. Automatisierte Testwerkzeuge, Testumgebungen und Pipelines sind unerlässlich, um die Qualitätssicherung zu skalieren, ohne die Auslieferung zu verlangsamen.
Die Botschaft ist klar: Wer nach links rückt, muss automatisieren.
Testautomatisierung bedeutet nicht, jeden möglichen Test zu automatisieren. Vielmehr geht es darum, konsequent dort zu automatisieren, wo der Nutzen am größten ist:
Moderne DevOps Plattformen und Skripting-Tools (wie Jenkins, GitHub Actions oder dedizierte IBM i DevOps Lösungen wie Rocket DevOps) können diese Tests als Teil Ihrer Bereitstellungspipeline auslösen. In Kombination mit Versionskontrolle und Build-Automatisierung bildet die Testautomatisierung das Rückgrat eines robusten Bereitstellungsprozesses.
Die Einführung von Tests auf IBM i ist nicht nur eine technische Herausforderung, sondern oft auch eine kulturelle. Viele Teams arbeiten noch immer in isolierten Bereichen, in denen die Qualitätssicherung von der Entwicklung getrennt ist und Tests reaktiv statt proaktiv durchgeführt werden.
Um dies zu überwinden:
Für IBM i-Teams, die gerade erst anfangen, kann die Testtransformation eine Herausforderung sein. Aber es muss nicht alles oder nichts sein. Hier ist ein realistischer Weg nach vorn:
Modernes Testen zielt nicht auf Perfektion ab, sondern auf Feedbackschleifen, die Teams helfen, Probleme frühzeitig zu erkennen, den manuellen Aufwand zu reduzieren und Lösungen mit Zuversicht bereitzustellen. Für IBM i-Teams, die ihre Entwicklungsprozesse modernisieren, ist robustes Testen der erste Schritt zu mehr Resilienz und Agilität.
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